Kategorie-Archiv: Focus On

[Focus On] Panasonic’s Master Grade Video Coding

Hi Leute,

ich dachte mir, ich schreib mal wieder einen „Focus On“-Beitrag. Diesmal geht es ein wenig um die Technik die bei Blu-rays eingesetzt wird. Um genauer zu sein um Panasonic’s neues Master Grade Video Coding – kurz MGVC.
Warum ist MGVC für uns interessant? Die Antwort ist einfach. Noch wird diese Art des Videocodings bei uns nicht benutzt. In Japan allerdings wird das MGVC seit Mein Nachbar Totoro für die Ghibli Klassiker eingesetzt um eine noch bessere Bildqualität zu bekommen und eine höhere Bitrate einsetzen zu können. Über kurz oder lang wird diese Art des Encodings dann wohl auch bei uns für Anime Blu-rays eingesetzt werden. Zumindest hoffe ich für uns, dass es diese oder eine ähnliche Technik zu uns schafft.

Wie ist ein Videostream aufgebaut?

Fangen wir bei der Basis an. Wie vielleicht einige von euch wissen, gibt es verschiedene Farbmodelle wie zum Beispiel RGB(Rot-Grün-Blau), CMYK(Cyan-Magenta-Yellow-Schwarz) oder YCbCr (Grundhelligkeit-Blue-Yellow ChrominanceRed-Green Chrominance). Im Fall von Videostreams kommt heutzutage bei den meisten Videoformaten YCbCr zum Einsatz. Was genau ist nun aber das YCbCr-Farbmodell?

Ich versuche es mal kurz und knapp zu erklären: Beim YCbCr-Farbmodell wird das Originalbild in drei Ebenen zerlegt. Das wären zum einen die Grundhelligkeit, die man sich wie ein Schwarz-Weiß-Foto vorstellen kann. Dann gibt es eine Ebene auf der nur die blauen und gelben Farbinformationen abgelegt sind und eine Ebene mit den roten und grünen Farbinformationen. Diese Ebenen werden auch Kanäle genannt.

Hier ist mal ein Beispielbild aus dem Film Nerawareta Gakuen.

YCbCrNerawareGakuen

Wie ihr sehen könnt ist das Originalbild(oben-links) in drei Farbkanäle gespalten. Den Rot-Grüne und den Blau-Gelbe Kanal habe ich euch beispielhaft einmal in die passenden Farben eingefärbt. In Wirklichkeit sind auch diese Schwarz-Weiß da das Abspielgerät selbst weiß, wie es die Information interpretieren muss. Dort werden dann die Ebenen wieder zu einem kompletten Bild zusammen gesetzt.

Was ist an MGVC so neuartig? Wie funktioniert das bisher?

Bei der bisher eingesetzten Technik zur Codierung von Videostreams werden für jedes Bild 24-bit Farbtiefe eingesetzt. Diese 24-bit werden auch als True Color bezeichnet. Da es sich um 3 Kanäle handelt sind es 8-bit pro Kanal mit denen das Bild aufgezeichnet wird. Mit Hilfe dieser 8-bit lassen sich dann pro Kanal 256 Abstufung zwischen Schwarz und Weiß beziehungsweise Hell und Dunkel darstellen. Die im Studio produzierten Master haben oft aber 36-bit Farbtiefe, die auch als Deep Color bezeichnet werden. Für die Home-Video-Fassung muss die Farbtiefe also reduziert werden damit das ganze sparsam gespeichert werden kann. Es gehen also Bildinformationen verloren.

Das Neuartige an MGVC ist, dass hier die vollen 36-bit Farbtiefe ausgenutzt werden. Diese ermöglichen 12-bit pro Kanal und damit eine unglaubliche Menge von 4096 Abstufungen zwischen Hell und Dunkel. Somit sind die Übergänge 16 mal feiner, als sie im Moment dargestellt werden können. Die folgende Grafik soll euch das ganze ein wenig Verdeutlichen.

Farbtiefe bei MGVC-neu


Wie funktioniert MGVC denn nun…?
…wenn die Möglichkeiten für Blu-rays im Moment so beschränkt sind, dass man bisher nur 24-bit eingesetzt hat?

Das ist eine gute Frage. Panasonic hat sich da etwas kluges ausgedacht:
Der eigentliche Film wird wie bisher mit seinen 24-bit in einer Videodatei gespeichert. So wird gewährleistet, dass die Blu-ray auch mit einem Blu-ray-Player funktioniert, der nicht dazu fähig ist mit MGVC umzugehen. In einer zweiten Datei werden nun die fehlenden Bildinformationen des Studio-Masters aufgezeichnet, die auf Grund der Technik nicht in die eigentliche Videodatei passen. Bis hierher ist noch nichts großartiges passiert.

Die eigentliche Magie beginnt erst im Blu-ray-Player. Geräte die MGVC interpretieren können berechnen nun auf Grund der vorliegenden Daten auf der Festplatte das 36-bit Deep Color-Bild und überträgen dieses zum Fernseher. Das Ergebnis sind saubere Übergänge im Bild und eine maximale Bitrate von 60 Mbps für den Videostream.

MGVC-Funktionsweise-neu

 

Ich hoffe, dass ich euch mit diesem Artikel einen kleinen Einblick in die technischen Hintergründe von Blu-rays geben konnte.

[Focus On] Hayao Miyazaki

Hi Leute,

es ist Zeit! Wie Anfang des Jahres angekündigt wurde, soll aniBlu um eine neue Sparte erweitert werden. Wir werden euch darin mit Hintergrundinfos rund um Anime, abseits von BD-Reviews, versorgen. Überlegen mussten wir nicht lange welches Thema den Anfang machen soll. In diesem Artikel stellen wir euch Hayao Miyazaki, Regisseur von „Prinzessin Mononoke“ und „Chihiros Reise ins Zauberland“ sowie Drehbuchautor von „Arrietty: Die wundersame Welt der Borger“ und „Kaze Tachinu“ vor.

Hayao Miyazaki (72, jap.: 宮崎駿) wurde als zweiter von insgesamt vier Söhnen des Flugzeugunternehmers Katsuji Miyazaki und seiner Frau „Dola“ Miyazaki am 05. Januar 1941 in Akebono-cho in Bunkyō, Tokyo geboren. Schon in der Kindheit begann er damit Flugzeuge zu zeichnen, da er wegen der Arbeit seines Vaters von Klein an mit Flugzeugen konfrontiert war. Das Fliegen und seine verschiedenen Techniken sollten später ein immer wiederkehrendes Element, und damit quasi der rote Faden, in seinen Filmen (beispielsweise „Porco Rosso“, „Das Schloss im Himmel“ oder die Kriegsflugzeuge in „Das wandelnde Schloss“) werden. Nachdem er die Schulen abgeschlossen hatte, begann er das Studium der Politikwissenschaften und Wirtschaft. Dort trat er einem Klub bei, der sich mit Kinderliteratur befasste, „weil es damals das einzige war, was einem Comic-Klub nahe kam“, wie er sagt. Hier kam bei ihm erstmals der Wunsch auf Mangaka zu werden. Allerdings war sein Talent auf das Zeichnen von Flugzeugen, Panzern und Kriegsschiffen beschränkt. Nichtsdestotrotz hielt er an diesem Wunsch fest. Durch den Animationsfilm „Erzählung einer weißen Schlange“, der als erster abendfüllender Farbanime Japans gilt, wurde er dazu ermutigt, eigene Animationsfilme zu produzieren. Daraufhin näherte er sich der Fähigkeit, menschliche Körper zu zeichnen. Beeinflusst wurde er in seinem Stil u.a. von Tezuka Osamu, dessen stilistische Merkmale er erst endgültig ablegen musste, um seinen eigenen Zeichenstil finden zu könnte. Im Jahr 1963 fing er an für Tōei Animation als Animator zu arbeiten, wo auch schon sein Vorbild Tezuka Osamu tätig war.

Heidi Screenshot Heidi Screenshot Heidi Screenshot

1971 verließ Miayazaki Tōei und arbeitete in den darauf folgenden Jahren für mehrere Studios. In dieser Zeit entstanden, an der Seite seines späteren Weggefährten und Ghibli-Mitbegründers Isao Takahata, für das sogenannte World Masterpiece Theater von Nippon Animation, einige Werke. Bei diesen handelt es sich unter anderem um die Kultserien „Heidi“ und „Niklaas, ein Junge aus Flandern“, an denen er maßgeblich beteiligt war, und deren Stil Miyazakis Arbeiten auch heute noch auszeichnen.

Future Boy Conan Screenshot Future Boy Conan Screenshot Future Boy Conan Screenshot

Für Nippon Animation realisierte Miyazaki 1978 auch die 25-teilige Serie „Future Boy Conan“, für die er das erste Mal auf dem Regiestuhl Platz nahm. 1979 verwirklichte er für TMS Entertainment seinen ersten abendfüllenden Film: „Das Schloss des Cagliostro“. Dieser war ein Feature-Film zur Serie „Lupin III“, für die er für sechs Folgen als Co-Regisseur verantwortlich war. Nach diesem Erfolg begann er die Arbeit an „Nausicaä aus dem Tal der Winde“, der 1984 veröffentlicht wurde und  als erster Film des Studio Ghibli gilt, obwohl er im Studio Top Craft produziert wurde. Das Studio Ghilbli selbst konnte erst nach dem finanziellen Erfolg von „Nausicaä“ im Juni 1985 gegründet werden. In der Folge entstanden unter Federführung von Hayao Miyazaki (auszugsweise chronologisch) „Das Schloss im Himmel“ (1986), „Mein Nachbar Totoro“ (1988), dessen titelgebende Gestalt später zum weltweit bekannten Logo des Studios aufsteigen sollte, und „Kikis kleiner Lieferservice“ (1989). Der eingangs angesprochene Film „Prinzessin Mononoke“, stellte 1997 den Rekord auf, der mit ca. 110 Millionen Euro kommerziell erfolgreichste Film Japans zu sein. Nach diesem vermeintlichen Höhepunkt der Karriere gab Miyazaki seinen Rückzug vom Filmgeschäft bekannt.

Nausicaä Verpackung Das Schloss im Himmel Verpackung Arrietty Verpackung Das wandelnde Schloss Verpackung Die Chroniken von Erdsee Verpackung Ponyo Verpackung

Jedoch packte ihn die Leidenschaft wieder und im Jahre 2001 kam „Chihiros Reise ins Zauberland“ in die Kinos. Dieser Film brach den von „Prinzessin Mononoke“ aufgestellten Rekord und ebnete den internationalen Siegeszug des Studio Ghibli. Hayao Miyazaki bekam für „Chihiros Reise ins Zauberland“ (u.a.) 2002 den Goldenen Bären auf der Berlinale und 2003 den Oscar für den besten Animationsfilm. Der  darauf folgende Film „Das wandelnde Schloss“ (2004) wurde ebenfalls mehrfach ausgezeichnet und „Ponyo – Das große Abenteuer am Meer“, Miyazakis letzter Film, wurde komplett ohne Computereinsatz animiert. Miyazakis Filme haben die Eigenschaft, gesellschaftliche Normen in Frage zu stellen und insbesondere Mädchen dazu zu ermutigen, ihrem eigenen Weg zu folgen.

Ich hoffe dieser kleine Abriss durch die Biografie des Hayao Miyazaki hat euch gefallen. Übringens veröffentlichte Universum Anime, mit der Ausnahme des Filmes „Die letzten Glühwürmchen“, der bei Kazé erschien, hierzulande alle Ghibli-Filme auf DVD, und, sofern vorhanden, auf Blu-ray. „From Up on Poppy Hill“, dessen Regisseur wie bei „Die Chroniken von Erdsee“ (2006) Hayao Miyazakis Sohn Goro Miyazaki ist, steht allerdings noch aus

Danke an Hideki, der diesen Artikel für aniBlu verfasst hat!

Quelle des Fotos: http://www.flickr.com/photos/t_p_s/2842706001/